Der Magier
Traditionell eine Karte von Geschick, Willen und selbstbeherrschtem Können, in der Quelle gepaart mit einer härteren Bedeutungsreihe: Krankheit, Verlust und verborgener Widerstand.
Aufrecht
- Geschick
- Wille
- Selbstvertrauen
- Diplomatie
- Feinsinn
- Einheit des Seins
In Waites Darstellung dreht sich diese Karte um zur Anwendung gebrachtes Können: eine Person mit echtem Geschick, Taktgefühl und Selbstbeherrschung, die nimmt, was gerade vorliegt, symbolisiert durch die vier Farbzeichen auf dem Tisch, und bewusst damit arbeitet statt dem Zufall zu überlassen. Die gehobene und die gesenkte Hand beschreiben einen Kanal zwischen einer höheren Quelle und dem, was greifbar vorliegt. So kann die Karte darauf hindeuten, etwas Größeres als sich selbst anzuzapfen und in eine konkrete, weltliche Form zu bringen. Waite stellt das jedoch nicht durchweg positiv dar. Er setzt Krankheit, Schmerz, Verlust und die Bedrohung durch verborgene Widersacher in dieselbe divinatorische Liste wie Selbstvertrauen und Diplomatie, sodass die Quelle selbst eine Spannung zwischen Meisterschaft und Verletzlichkeit trägt, statt sie aufzulösen.
Traditionelle Bedeutung.
Waite nennt Geschick, Diplomatie, Gewandtheit und Feinsinn als zentrale divinatorische Bedeutungen, neben Selbstvertrauen und Willen. Ist der Fragende männlich, kann die Karte ihn selbst darstellen. Im selben Atemzug führt er auch eine härtere, unbequemere Reihe von Deutungen an: Krankheit, Schmerz, Verlust, Unglück und die Fallstricke von Feinden. Beide Listen stehen in der Quelle nebeneinander, ohne dass die eine die andere abschwächt.
Symbolik
Eine jugendliche Gestalt mit Apolls Gesicht steht lächelnd im Gewand, mit selbstbewussten, strahlenden Augen. Über ihrem Kopf hängt das Zeichen des Lebens, eine endlose Schnur in Form einer liegenden Acht. Um ihre Hüfte windet sich eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, klassisches Sinnbild der Ewigkeit, hier von Waite als Ewigkeit geistiger Vollendung gedeutet. Die rechte Hand hebt einen Stab gen Himmel, die linke weist zur Erde: ein Doppelzeichen hoher Grade eingeweihter Mysterien, das Gnade und Licht von oben nach unten zeigt. Auf dem Tisch liegen die Symbole der vier Tarotfarben, Elemente des natürlichen Lebens, wie Spielsteine ausgelegt, nach Belieben eingesetzt. Darunter Rosen und Lilien, Blume des Feldes und Lilie des Tals, zu Gartenblumen verwandelt, Zeichen kultivierten Strebens. Waite deutet das Ganze als göttliches Motiv im Menschen, das Gott widerspiegelt, den Willen in Einheit mit dem Höheren, im höheren Sinn als Einheit individuellen Seins, als Gedanke festgehalten. Er verbindet das Achterzeichen mit dem 'Wandel zur Ogdoas' des christlichen Gnostizismus, mystische Zahl des oberen Jerusalems, und merkt an, dass im Martinismus die 8 die Zahl Christi ist.
In diesem Zusammenhang
- Arbeit oder Lebensrichtung
- Die Bildsprache von Werkzeugen, die auf einem Tisch ausgelegt sind und bereitliegen, um bewusst aufgenommen und genutzt zu werden, kann für Findigkeit und Geschick stehen, die auf die anstehende Arbeit angewendet werden. Dass Waite Diplomatie und Gewandtheit neben die härtere Liste von Verlust und verborgenen Feinden stellt, deutet an, dass diese Lesart keinen reibungslosen Ausgang voraussetzen muss.
- Eine Entscheidung, die ich abwäge
- Die doppelte Geste, eine Hand zum Höheren, eine zum Greifbaren, kann einen Moment widerspiegeln, in dem eine umfassendere Absicht in eine konkrete, spezifische Entscheidung herabgeholt wird. Geschick und Selbstvertrauen werden in der Quelle direkt als hier relevante Eigenschaften genannt.
- Etwas über mich selbst
- Waite deutet diese Gestalt als Ausdruck des Willens, der Einheit mit etwas Höherem findet, und beschreibt die gesamte Anordnung als die Einheit des individuellen Seins. Das kann auf eine Reflexion darüber hindeuten, Absicht und Handeln aufeinander abzustimmen, auch wenn die Quelle Schmerz und Verlust ebenfalls zu ihren Bedeutungen zählt, eine Erinnerung daran, dass Wachstum in dieser Tradition nicht als ungetrübt dargestellt wird.
Lass das auf dich wirken
- Wo in deinem Leben bist du gerade gefordert, Geschick oder bewussten Willen einzusetzen?
- Die Quelle stellt Selbstvertrauen im selben Atemzug neben Verlust und verborgenen Widerstand: fühlt sich eines davon im Moment näher an der Wahrheit an?
- Was liegt gerade für dich bereit, so wie die vier Farbzeichen auf dem Tisch liegen und darauf warten, genutzt zu werden?
Umgekehrt
- Geisteskrankheit
- Schande
- Unruhe
- der Arzt
- der Magus
In dieser Position liefert Waites Quelle keine ordentliche Umkehrung von 'Zuversicht' in 'Selbstzweifel', wie es viele spätere Bücher tun. Sie nennt zwei Rollen, Arzt und Magus, sowie drei schwierige Zustände: Störung des Geistes, Schande und Unruhe. Zusammengenommen lässt sich das als Bild von Können oder Autorität lesen, das in Unordnung geraten ist oder unter einem Schatten ausgeübt wird, statt als einfacher Verlust von Selbstvertrauen. Die aufrechte Karte steht für einen klaren Kanal zwischen höherer Absicht und geerdetem Handeln. Dieser Eintrag behandelt die umgekehrte Karte als diesen gestörten Kanal, ohne zu behaupten zu wissen, was ihn gestört hat.
Traditionelle Bedeutung.
Waite nennt als umgekehrte Bedeutungen: Arzt, Magus, Geisteskrankheit, Schande, Unruhe. Das ist eine nüchterne, fast klinische Liste, neben der selbstsicheren jungen Gestalt der aufrechten Karte, die Kraft von oben nach unten lenkt. Umgekehrt wird dieselbe Figur, die zuvor die Kräfte und Gaben des Geistes besaß und weitergab, stattdessen über eine Störung des Geistes und öffentliche Schande benannt. Waite mildert oder erklärt den Sprung von 'Arzt' und 'Magus' zu 'Schande' und 'Unruhe' nicht, die Begriffe stehen unvermittelt nebeneinander, und dieser Eintrag belässt sie so, statt sich für die bequemere Hälfte zu entscheiden.
Symbolik
Die aufrechte Bildsprache bleibt in ihren Details unverändert: der jugendliche Magus mit dem Antlitz Apollons, das Unendlichkeitszeichen des Heiligen Geistes über seinem Kopf, der Schlangengürtel, der sich in den eigenen Schwanz beißt, um seine Taille, der zum Himmel erhobene Stab in der rechten Hand und die zur Erde weisende linke Hand, das doppelte Zeichen, das Gnade und Licht von oben nach unten herabsteigen lässt. Auf dem Tisch vor ihm liegen die vier Farbsymbole, die Elemente des natürlichen Lebens, die er nach seinem Willen gestaltet, darunter Rosen und Lilien als Zeichen kultivierten Strebens. Waite beschreibt diese Bildsprache für die umgekehrte Stellung nicht neu, er liefert nur die oben genannten Wahrsagebegriffe. Traditionell wird die Umkehrung einer Karte, die auf dem Herabsteigen von Kraft und der Meisterschaft des Adepten über die Elemente beruht, als eben dieser Kanal gedeutet, der gestört oder nach innen gewendet ist: Die Titel 'Arzt' und 'Magus' bleiben bestehen, begleitet jedoch von Geisteskrankheit, Schande und Unruhe statt von Zuversicht und vermittelter Gnade.
In diesem Zusammenhang
- Arbeit oder Lebensrichtung
- Waites 'Arzt' und 'Magus' bezeichnen beide Personen, denen wegen ihres Könnens Autorität zugeschrieben wird. Umgekehrt kann das auf Sorge um die eigene Kompetenz unter Druck hindeuten, auf Sorge um den eigenen Ruf oder auf Unbehagen darüber, wie die eigene Arbeit oder das eigene Urteil aufgenommen wird, etwas, das es wert ist, dabei zu verweilen, statt es schnell auflösen zu wollen.
- Eine Entscheidung, die ich abwäge
- Wo die aufrechte Karte eine klare Linie zwischen Absicht und Handlung nahelegt, kann diese umgekehrte Lesart darauf hindeuten, dass sich diese Linie gerade getrübt anfühlt, ein Moment, um Unruhe oder Selbstzweifel bei einer Entscheidung wahrzunehmen, statt darüber hinwegzugehen.
- Etwas über mich selbst
- Die Kluft zwischen 'Geisteskrankheit' in Waites eigenen Worten und der ruhigeren Sprache, die moderne Leser vielleicht erwarten, verdient es, direkt betrachtet zu werden, statt geglättet zu werden. Eine Möglichkeit, diese Umkehrung zu lesen, ist als Aufforderung, eine innere Unruhe ernst zu nehmen, statt sie wegzudefinieren.
Lass das auf dich wirken
- Waite verbindet 'Arzt' und 'Magus' mit 'Unruhe', betrifft ein Teil deiner Situation ein Können oder eine Autorität, die sich gerade verunsichert anfühlt?
- Wo könnte sich die klare Linie zwischen Absicht und Handlung, wie sie die aufrechte Karte zeigt, für dich im Moment getrübt oder gestört anfühlen?
- Erkennst du, und sei es nur schwach, in dem, was du gerade mit dir trägst, eine Störung des Geistes oder eine Angst vor Schande aus Waites Liste?
Lass das auf dich wirken
Jede Bedeutung wird von uns geschrieben und stützt sich auf A. E. Waites gemeinfreies Werk The Pictorial Key to the Tarot (1910). Nichts erscheint hier, bevor es ein Mensch gelesen hat.
Kostenlose Karte ziehenQuelle: Arthur Edward Waite, The Pictorial Key to the Tarot (1910), public domain. I. The Magician (S. 27). Wissensversion 0.1.0.