Die Sonne
Eine Karte des offenen, direkten Lichts, von Waite schlicht als Glück, eine gute Ehe und Zufriedenheit gedeutet, und im Inneren als eine direktere, ungeteilte Form von Bewusstsein.
Aufrecht
- nacktes Kind
- weißes Pferd
- rotes Banner
- das große Licht
- irdisches Glück
- wiederhergestellte Welt
In Waites Darstellung geht es bei dieser Karte weniger um gute Laune als um einen Übergang: vom gewöhnlichen Tageslicht der Welt, wie sie ist, hin zu einem klareren, innerlicheren Licht, das er eher mit der Direktheit eines Kindes als mit der Zurückhaltung eines Erwachsenen verbindet. Die einfache, diesseitige Bedeutung, die er nennt, lautet: irdisches Glück, eine glückliche Ehe und Zufriedenheit. Daneben beschreibt er einen inneren Zustand, in dem ein direkteres Bewusstsein über dem gewöhnlichen, gewohnten Verstand «aufgegangen» ist, sodass Instinkt und Reflexion nicht mehr gegeneinander wirken, sondern sich zusammenfügen.
Traditionelle Bedeutung.
Waite liest diese Karte als den Übergang vom sichtbaren Licht der irdischen Sonne zum Licht einer kommenden Welt, einem Licht, das sich im Herzen eines Kindes zeigt und der endlosen Prozession der Menschheit vorangeht. In seinen eigentlichen Wahrsagebedeutungen ist die Karte einfacher gefasst: irdisches Glück, eine glückliche Ehe, Zufriedenheit. Daneben gibt er einen eher inneren Sinn an: die Sonne des Bewusstseins im Geist, direkt statt gespiegelt, in der der sich selbst erkennende Geist über dem natürlichen Verstand aufgegangen ist und die animalische Natur in vollkommenen Einklang mit ihm gebracht wird.
Symbolik
Ein nacktes Kind reitet auf einem weißen Pferd und trägt ein rotes Banner. Waite nennt diese Gestalt die Bestimmung des «übernatürlichen Ostens» und das große, heilige Licht, das der Menschheit vorangeht, wenn sie den ummauerten Garten des empfindsamen Lebens verlässt und sich auf den Weg nach Hause macht. Das Kind steht für Einfachheit und Unschuld, doch Waite betont ausdrücklich, dass diese Unschuld zugleich eine Form von Weisheit ist: Das Kind «trägt das Siegel der Natur und der Kunst» und «bedeutet die wiederhergestellte Welt». Die Sonne selbst wird als Bewusstsein im Geist beschrieben, als direktes Licht im Gegensatz zum gespiegelten Licht, wobei der natürliche Verstand, einmal erneuert, die animalische Natur in vollkommenen Einklang mit sich führt.
In diesem Zusammenhang
- Eine Beziehung
- Waite nennt «glückliche Ehe» ausdrücklich als eine der Bedeutungen dieser Karte, neben Zufriedenheit. Das Bild einer Reise, die den «ummauerten Garten verlässt» und ins offene Licht führt, lässt sich auch als Bewegung von etwas Umschlossenem oder Behütetem hin zu etwas Offenerem und Direkterem lesen.
- Arbeit oder Lebensrichtung
- Die Quelle nennt keine berufsspezifische Bedeutung. Ihr Wahrsagesinn von irdischem Glück und Zufriedenheit lässt sich auf eine berufliche Situation beziehen, ohne dass die Quelle selbst dies benennt.
- Eine Entscheidung, die ich abwäge
- Waites Unterscheidung zwischen dem «sichtbaren Licht dieser Welt» und dem «Direkten als Gegensatz zum gespiegelten Licht» kann eine Möglichkeit bieten zu prüfen, ob eine Entscheidung offen und direkt angegangen wird oder eher über Umwege, Vorsicht oder Zurückhaltung.
- Etwas über mich selbst
- Waite beschreibt, wie der sich selbst erkennende Geist über dem natürlichen Verstand aufgeht, wobei das Kind eine Gestalt der Unschuld ist, die zugleich Weisheit trägt, «das Siegel der Natur und der Kunst». Dies lässt sich als traditionelles Bild von Reife lesen, die die Einfachheit nicht aufgibt, sondern sie in eine direktere Form von Bewusstsein einbindet.
Lass das auf dich wirken
- Waite verbindet die Einfachheit des Kindes mit Weisheit, nicht mit Naivität: Wo in deinem Leben könnte gerade Schlichtheit die klügere Wahl sein?
- Die Quelle stellt dem «sichtbaren Licht» ein direkteres, inneres Licht gegenüber: Fühlt sich deine gegenwärtige Zufriedenheit eher wie das eine, das andere oder beides an?
- Waite beschreibt eine Reise aus einem «ummauerten Garten» hin zu offenem Licht: Gibt es einen umschlossenen oder behüteten Teil deines Lebens, den dies ansprechen könnte?
Umgekehrt
- gemindertes Licht
- geringeres Maß
- das Kind
- Bewusstsein im Geist
- Einfachheit
- Unschuld
In dieser Quelle verkehrt die Umkehrung die Bedeutung der Sonne nicht ins Dunkle, sie dreht lediglich die Lautstärke herunter. Aufrecht geht es bei der Karte um eine direkte, hart erarbeitete Klarheit: eine Unschuld, die aus Weisheit entsteht statt aus Naivität, und einen natürlichen, instinktiven Teil des Selbst, der endlich mit einem wacheren, sich selbst bewussten Teil im Einklang steht. Umgekehrt wird dieselbe Klarheit, Ausrichtung oder Ankunft als nur "in geringerem Sinne" vorhanden beschrieben: teilweise, gedämpft oder noch nicht voll verwirklicht, statt abwesend oder ins Gegenteil verkehrt.
Traditionelle Bedeutung.
Waite gibt der umgekehrten Sonne fast keine eigenständige Bedeutung: Er schreibt nur "Dasselbe in geringerem Sinne" und verweist damit auf die aufrechte Deutung zurück. Die Quelle behandelt die Umkehrung hier also nicht als andere oder gegensätzliche Bedeutung, sondern als Abschwächung des aufrechten Lichts: derselbe Übergang vom Licht dieser Welt zum Licht der kommenden Welt, dasselbe geistige Bewusstsein, das durch ein Kind versinnbildlicht wird, jedoch nur in geringerem Maß vorhanden oder erreichbar. Alles, was darüber hinausgeht, liefert die Quelle nicht, und dieser Eintrag erfindet es nicht hinzu.
Symbolik
Die Karte zeigt ein nacktes Kind auf einem weißen Pferd, das ein rotes Banner trägt. Waite nennt dies das große, heilige Licht, das dem endlosen Zug der Menschheit vorausgeht, während sie den ummauerten Garten des sinnlichen Lebens verlässt und heimwärts zieht. Die Sonne bezeichnet den Übergang vom sichtbaren Licht der natürlichen Welt zum Licht der kommenden Welt. Waite deutet die Sonne weiter als Bewusstsein im Geist, als direktes Licht im Gegensatz zu reflektiertem Licht, und das Kind als Sinnbild der wiederhergestellten Menschheit: einfach im Sinne des Tragens von Siegel der Natur und der Kunst, unschuldig im Sinne von Weisheit. So führt der sich seiner selbst bewusste Geist, wenn er über dem natürlichen Verstand aufgeht, diesen Verstand in seiner Erneuerung dahin, die tierische Natur in vollkommener Übereinstimmung mit sich selbst zu bringen.
In diesem Zusammenhang
- Eine Beziehung
- Ein geringeres Maß an Offenheit oder einfacher, direkter Wärme, wie sie diese Karte darstellen kann: etwas, das vorhanden, aber zurückgehalten ist oder zwischen zwei Menschen noch nicht voll zum Ausdruck kommt, statt völlig zu fehlen.
- Arbeit oder Lebensrichtung
- Fortschritt oder Klarheit über die Richtung, die real, aber unvollständig ist: ein Gefühl, dass sich die Dinge ausrichten, ohne sich schon vollständig oder ganz erhellt anzufühlen.
- Eine Entscheidung, die ich abwäge
- Eine hilfreiche Lesart hier ist, dass die benötigte Klarheit derzeit nur in geringerem Maß verfügbar sein könnte, genug für einen Schritt, aber vielleicht nicht genug, um den ganzen Weg zu sehen.
- Etwas über mich selbst
- Das Bild der Quelle, wonach der natürliche Verstand in Übereinstimmung mit einem wacheren, sich selbst bewussten Geist gebracht wird, kann in diesem geringeren Maß einen Prozess beschreiben, der noch andauert statt abgeschlossen zu sein: eine Ausrichtung, der man sich nähert, aber noch nicht erreicht hat.
Lass das auf dich wirken
- Wo in deinem Leben könnte dieses 'geringere Maß' an Klarheit oder Wärme bereits vorhanden sein, auch wenn es sich nicht vollständig anfühlt?
- Die Quelle verbindet das Licht dieser Karte mit einer Unschuld, die aus Weisheit entsteht, nicht aus Naivität: Trifft diese Unterscheidung gerade etwas bei dir?
- Gibt es einen Teil von dir, den das Bild der Karte den 'natürlichen Verstand' nennen könnte, der sich noch nicht im Einklang mit etwas Wacherem in dir befindet?
Lass das auf dich wirken
Jede Bedeutung wird von uns geschrieben und stützt sich auf A. E. Waites gemeinfreies Werk The Pictorial Key to the Tarot (1910). Nichts erscheint hier, bevor es ein Mensch gelesen hat.
Kostenlose Karte ziehenQuelle: Arthur Edward Waite, The Pictorial Key to the Tarot (1910), public domain. Abschnitt XIX. The Sun (S. 45). Wissensversion 0.1.0.